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Stromanbieter wechseln in Österreich: Ablauf, Fristen und die häufigsten Fehler

7 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Der Stromanbieterwechsel in Österreich läuft über den neuen Anbieter, der Kündigung und Anmeldung übernimmt, dauert in der Regel rund drei Wochen, ist gesetzlich kostenlos und bei unbefristeten Verträgen seit März 2022 mit einer Kündigungsfrist von zwei Wochen jederzeit möglich.

Wie der Stromanbieterwechsel in Österreich abläuft

In Österreich wechseln Sie den Stromanbieter, indem Sie zuerst einen neuen Tarif auswählen und dort den Vertrag abschließen. Alles Weitere übernimmt der neue Anbieter: Er kündigt beim bisherigen Versorger, meldet Sie beim Netzbetreiber an und stimmt den Stichtag ab. Bei unbefristeten Verträgen gilt seit März 2022 einheitlich eine Kündigungsfrist von zwei Wochen, der gesamte Wechsel dauert in der Regel rund drei Wochen und ist per Gesetz kostenlos. Zähler, Leitung und Netzbetreiber bleiben unverändert, eine Versorgungsunterbrechung ist technisch ausgeschlossen. Der teuerste Fehler dabei ist die falsche Reihenfolge: zuerst selbst kündigen und erst danach einen neuen Anbieter suchen.

SchrittWer erledigt esWas passiert
1. Zahlen zusammensuchenSieJahresverbrauch in kWh und Gesamtpreis in ct/kWh von der letzten Jahresabrechnung ablesen
2. Tarife vergleichenSieAngebote gegenüberstellen, Grundpreis und Arbeitspreis gemeinsam betrachten
3. Neuen Vertrag abschließenSieZählpunktnummer, Zählerstand und IBAN angeben, Vollmacht für die Kündigung erteilen
4. Kündigung beim alten Anbieterneuer AnbieterKündigung mit der Zwei-Wochen-Frist, Abstimmung des Wechseltermins
5. Umstellung im NetzNetzbetreiberDer Zählpunkt wird auf den neuen Lieferanten umgemeldet, Zählerstand wird festgehalten
6. Schlussrechnungalter AnbieterAbrechnung bis zum Stichtag, Guthaben wird erstattet

Ihr eigener Aufwand liegt damit bei den Schritten 1 bis 3. Ab Schritt 4 läuft der Wechsel zwischen Anbietern und Netzbetreiber ab, ohne dass Sie etwas tun müssen.

Welche Kündigungsfrist gilt seit März 2022?

Seit März 2022 gilt in Österreich für unbefristete Strom- und Gasverträge eine einheitliche Kündigungsfrist von zwei Wochen. Der Vertrag ist damit jederzeit kündbar, ein besonderer Anlass wie eine Preiserhöhung oder ein Umzug ist nicht nötig. Vorher unterschieden sich die Fristen je nach Anbieter deutlich — dieser Flickenteppich ist weg.

Bei einem befristeten Vertrag mit vereinbarter Bindung richtet sich der frühestmögliche Termin nach der Laufzeit. In dem Fall ist es sinnvoll, das Vertragsende zu notieren und den Wechsel gezielt darauf zu legen.

Wie lange dauert der Wechsel und was kostet er?

Ein Anbieterwechsel dauert in Österreich in der Regel rund drei Wochen, gerechnet von der Unterschrift beim neuen Anbieter bis zur tatsächlichen Umstellung des Zählpunkts. Der Wechsel selbst ist per Gesetz kostenlos: Weder der alte noch der neue Anbieter darf eine Bearbeitungs-, Wechsel- oder Ausstiegsgebühr verlangen.

Auch an den übrigen Rechnungsbestandteilen ändert der Wechsel nichts, und das ist wichtig für die Erwartungshaltung. Eine österreichische Stromrechnung besteht grob zu 40 Prozent aus dem Energiepreis, zu 30 Prozent aus dem Netzentgelt und zu 30 Prozent aus Steuern und Abgaben. Nur der Energiepreis ist durch einen Anbieterwechsel beeinflussbar. Die Netzentgelte werden von der Regulierungskommission der E-Control verordnet, sind nicht verhandelbar und je nach Netzgebiet unterschiedlich hoch. Das Netzentgelt setzt sich aus dem Netznutzungsentgelt (fixer Grundpreis in Euro pro Jahr plus verbrauchsabhängiger Arbeitspreis in ct/kWh), dem Netzverlustentgelt in ct/kWh und dem Entgelt für Messleistungen in Euro pro Monat zusammen.

Bleiben Zähler, Leitung und Netzbetreiber gleich?

Ja. Beim Anbieterwechsel ändert sich ausschließlich, von wem Sie die Energie kaufen. Der Netzbetreiber hängt an der Adresse beziehungsweise am Netzgebiet und lässt sich nicht wählen. Leitung und Zähler bleiben dieselben, es wird niemand für einen Umbau vorbeigeschickt. Eine Versorgungsunterbrechung ist beim Wechsel technisch ausgeschlossen — der Strom kommt physikalisch weiterhin aus demselben Netz.

Diese Daten brauchen Sie für den Wechsel

Für den Antrag beim neuen Anbieter brauchen Sie diese Angaben:

  • Name, Adresse und Geburtsdatum
  • Zählpunktnummer: 33-stellig, beginnt mit AT (siehe Zählpunktnummer finden)
  • Zählernummer
  • aktueller Zählerstand
  • IBAN
  • Telefonnummer
  • E-Mail-Adresse

Alles davon steht auf der letzten Jahresabrechnung oder im Online-Portal Ihres Anbieters. Wenn Sie sich nicht sicher sind, welche Zahl auf der Rechnung wofür steht, hilft Stromrechnung lesen weiter. Mehr als diese Daten und eine Unterschrift braucht ein Wechsel nicht.

Der häufigste Fehler: zuerst kündigen, dann suchen

Der teuerste Fehler beim Stromwechsel in Österreich ist die Reihenfolge. Wer erst beim alten Anbieter kündigt und danach in Ruhe vergleichen will, riskiert eine Lücke zwischen Vertragsende und neuem Liefervertrag. In dieser Lücke wird man automatisch in der Grundversorgung beliefert — und die ist die teuerste Variante am Markt.

TarifartGesamtpreis brutto
Grundversorgung30–42 ct/kWh
Österreichischer Durchschnittrund 29 ct/kWh
Guter Wechseltarif19–27 ct/kWh

Der E-Control-Referenzwert für einen Haushalt liegt bei 3.500 kWh Strom pro Jahr; ein Anbieterwechsel senkt den Energiepreis dabei typischerweise um 5–15 ct/kWh, was 175–525 Euro pro Jahr entspricht. Wie die Grundversorgung funktioniert und wie man wieder herauskommt, steht in Grundversorgung Strom in Österreich. Die saubere Reihenfolge ist immer: erst den neuen Vertrag unterschreiben, die Kündigung danach dem neuen Anbieter überlassen.

Weitere Fehler, die beim Wechsel Geld kosten

  • Nur den Arbeitspreis vergleichen. Ein niedriger Preis pro kWh nützt wenig, wenn der Grundpreis in Euro pro Jahr das wieder auffrisst. Vergleichbar wird es erst über den Gesamtpreis bei Ihrem tatsächlichen Verbrauch.
  • Rabatte mit Ablaufdatum übersehen. Manche Angebote sind nur im ersten Jahr günstig. Entscheidend ist, was der Tarif danach kostet.
  • Energiepreis und Gesamtpreis verwechseln. Rund 60 Prozent der Rechnung sind Netzentgelt, Steuern und Abgaben. Ein Angebot, das nur den Energiepreis nennt, ist nicht die Rechnung, die später kommt.
  • Den Zählerstand nicht notieren. Der Stand zum Wechselstichtag ist die Grundlage für die Schlussrechnung des alten Anbieters. Ein eigenes Foto vom Zähler erspart spätere Diskussionen.
  • Gas vergessen. Wer seit 2022 nicht gewechselt hat, kann beim Gas 300–600 Euro pro Jahr sparen. Bestandskunden aus Altverträgen zahlen 11–19 ct/kWh Energiepreis, Neukunden 4,5–5,5 ct/kWh — die Details stehen in Gaspreis Österreich: Bestandskunden und Neukunden.

Wie viel bringt der Wechsel pro Jahr?

Ein Anbieterwechsel senkt den Energiepreis typischerweise um 5–15 ct/kWh. Bei 3.500 kWh Jahresverbrauch sind das 175–525 Euro pro Jahr. Der Grund für die Spanne: Der reine Energiepreis variiert je nach Anbieter um bis zu 60 Prozent, während Netzentgelt und Steuern fix bleiben.

Nach oben ist die Spanne offen. Ein Haushalt, der beim Landesversorger 32 ct/kWh zahlt und auf eine Alternative mit 13,30 ct/kWh wechselt, spart bei gleichbleibendem Verbrauch knapp 950 Euro pro Jahr. Was in Ihrem Fall herauskommt, hängt von Verbrauch, Netzgebiet und Ihrem aktuellen Preis ab — das lässt sich im Ersparnisrechner in 30 Sekunden überschlagen.

Wann sich ein Wechsel nicht lohnt

Nicht jeder Wechsel bringt etwas, und das gehört dazugesagt:

  • Ihr Gesamtpreis liegt bereits bei 19–27 ct/kWh. Dann sind Sie im Bereich guter Wechseltarife, und der Aufwand lohnt sich meist erst beim nächsten Preisschritt Ihres Anbieters.
  • Sie sind in einer laufenden Bindung mit Pönale. Wenn die Vertragsstrafe die Ersparnis übersteigt, ist Warten bis zum Vertragsende die günstigere Rechnung.
  • Sie erwarten, dass die Netzentgelte sinken. Die werden von der E-Control verordnet und bleiben beim Wechsel unverändert — wer sich davon Ersparnis erhofft, wird enttäuscht.
  • Ihr Verbrauch ist sehr niedrig. Liegt der Jahresverbrauch deutlich unter dem E-Control-Referenzwert von 3.500 kWh, dominiert der fixe Grundpreis in Euro pro Jahr, und die Unterschiede zwischen Tarifen fallen in absoluten Euro klein aus.

Wenn Sie nicht einschätzen können, in welche Kategorie Sie fallen: Auf der letzten Jahresabrechnung stehen die beiden Zahlen, die es dafür braucht — Jahresverbrauch und Gesamtpreis pro kWh. Eine unabhängige Einschätzung dazu bekommen Sie über den Kontakt, auch dann, wenn am Ende kein Wechsel steht.

Häufige Fragen dazu

Kann ich wechseln, wenn mein Vertrag noch in einer Bindung läuft?

Die einheitliche Kündigungsfrist von zwei Wochen gilt seit März 2022 für unbefristete Verträge. Bei einem befristeten Vertrag mit vereinbarter Bindung richtet sich der frühestmögliche Wechseltermin nach der Laufzeit — hier lohnt es sich, das Vertragsende vorzumerken und den Wechsel darauf zu legen, statt eine Pönale zu riskieren.

Kann ich Strom und Gas gleichzeitig wechseln?

Ja, Strom und Gas sind getrennte Verträge mit eigenen Zählpunktnummern und lassen sich unabhängig voneinander oder im selben Durchgang wechseln. Beim Gas ist der Abstand oft größer: Neukunden zahlen 4,5–5,5 ct/kWh Energiepreis, Bestandskunden aus Altverträgen noch 11–19 ct/kWh.

Was passiert nach dem Wechsel mit dem alten Vertrag?

Der bisherige Anbieter rechnet zum Wechselstichtag ab und stellt eine Schlussrechnung auf Basis des gemeldeten Zählerstands. Ein Guthaben aus zu hohen Teilzahlungen wird erstattet, eine Nachzahlung fällt an, wenn die Teilbeträge zu niedrig kalkuliert waren.

Quellen

Alle Zahlen in diesem Artikel stammen aus öffentlich zugänglichen Preisübersichten und Angaben der E-Control. Stand: 14. September 2026.

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