Stromrechnung lesen: Arbeitspreis, Grundpreis und Netzentgelt erklärt
Kurz gesagt
Eine österreichische Stromrechnung besteht aus drei Blöcken: Energiepreis (rund 40 %), Netzentgelt (rund 30 %) sowie Steuern und Abgaben (rund 30 %). Nur der Energiepreis — Arbeitspreis in ct/kWh plus Grundpreis in Euro pro Jahr — ist durch einen Anbieterwechsel beeinflussbar.
Woraus Ihre Stromrechnung besteht
Eine österreichische Stromrechnung besteht aus drei Blöcken: dem Energiepreis mit rund 40 % des Gesamtbetrags, dem Netzentgelt mit rund 30 % sowie Steuern und Abgaben mit rund 30 %. Der Energiepreis setzt sich aus einem Arbeitspreis in ct/kWh und einem Grundpreis in Euro pro Jahr zusammen; ihn legt Ihr Lieferant fest, und nur er sinkt bei einem Anbieterwechsel. Netzentgelt, Steuern und Abgaben hängen an Ihrem Netzgebiet und an gesetzlichen Vorgaben — sie sind für alle Haushalte im selben Netzgebiet gleich, unabhängig davon, von wem sie ihren Strom kaufen. Über alle drei Blöcke hinweg zahlt ein Haushalt in Österreich im Schnitt rund 29 ct/kWh brutto.
Der Energiepreis: Arbeitspreis in ct/kWh und Grundpreis in Euro pro Jahr
Der Energiepreis ist der Teil der Stromrechnung, den Ihr Lieferant bestimmt. Er hat zwei Bestandteile:
- Arbeitspreis in ct/kWh. Er wird mit jeder verbrauchten Kilowattstunde multipliziert. Wer weniger verbraucht, zahlt hier weniger.
- Grundpreis in Euro pro Jahr (manchmal als Monatsbetrag ausgewiesen). Er fällt unabhängig vom Verbrauch an und deckt Kundenverwaltung und Abrechnung ab.
Zwischen den Anbietern schwankt der reine Energiepreis in Österreich um bis zu 60 %. Genau daraus entsteht der Unterschied zwischen Grundversorgung und Wechseltarif: Wer nie aktiv einen Tarif gewählt hat, landet in der Grundversorgung und zahlt dort 30–42 ct/kWh Gesamtpreis. Ein guter Wechseltarif liegt 2026 bei 19–27 ct/kWh Gesamtpreis. Der gelieferte Strom ist physikalisch identisch — die Leitung, der Zähler und der Netzbetreiber ändern sich beim Wechsel nicht.
Ein Grundpreis von 0 Euro ist übrigens kein Qualitätsmerkmal. Entscheidend ist, was Arbeitspreis und Grundpreis zusammen bei Ihrem konkreten Jahresverbrauch ergeben. Bei 3.500 kWh im Jahr — dem Referenzverbrauch, mit dem die E-Control rechnet — macht ein um 1 ct/kWh höherer Arbeitspreis 35 Euro pro Jahr aus. Ein Tarif mit niedrigem Arbeitspreis und hohem Grundpreis kann sich bei diesem Verbrauch also trotzdem rechnen, bei einem deutlich niedrigeren Jahresverbrauch dagegen nicht.
Warum der Begriff Arbeitspreis auf der Rechnung zweimal vorkommt
Auf einer österreichischen Stromrechnung steht der Begriff “Arbeitspreis” an zwei verschiedenen Stellen, und das führt beim Rechnungslesen regelmäßig zu Verwechslungen:
- Arbeitspreis beim Energiepreis — der Preis in ct/kWh, den Ihr Lieferant für die gelieferte Energie verlangt. Nur diese Position lässt sich durch einen Anbieterwechsel senken.
- Arbeitspreis beim Netznutzungsentgelt — der verbrauchsabhängige Anteil des Netzentgelts, ebenfalls in ct/kWh. Diesen Preis legt die Regulierungskommission der E-Control fest. Er ist nicht verhandelbar und ändert sich bei einem Anbieterwechsel nicht.
Dasselbe gilt für den Grundpreis: Es gibt einen Grundpreis beim Energiepreis (Lieferant) und einen Grundpreis beim Netznutzungsentgelt (verordnet). Beim Vergleich zweier Angebote zählt ausschließlich das Paar aus Energie-Arbeitspreis und Energie-Grundpreis. Wer versehentlich die Netzpositionen mitvergleicht, rechnet sich Unterschiede ein, die es nicht gibt.
Das Netzentgelt: Netznutzung, Netzverlust und Messleistung
Das Netzentgelt bezahlt den Transport des Stroms bis zu Ihrem Zähler. Es geht nicht an Ihren Lieferanten, sondern an den Netzbetreiber Ihres Netzgebiets, und besteht aus drei Positionen:
- Netznutzungsentgelt — der größte Teil, zweiteilig aus einem fixen Grundpreis in Euro pro Jahr und einem verbrauchsabhängigen Arbeitspreis in ct/kWh.
- Netzverlustentgelt — in ct/kWh. Es deckt die Energie ab, die beim Transport im Netz verloren geht.
- Entgelt für Messleistungen — ein monatlicher Betrag in Euro für Betrieb und Ablesung des Zählers.
Alle drei Positionen werden von der Regulierungskommission der E-Control verordnet. Je nach Netzgebiet unterscheiden sie sich, sind aber innerhalb eines Netzgebiets für alle Haushalte gleich und nicht verhandelbar. Wer innerhalb Österreichs umzieht und dabei in ein anderes Netzgebiet kommt, zahlt andere Netzentgelte — durch einen Anbieterwechsel ändert sich an dieser Position dagegen nichts.
Steuern und Abgaben
Steuern und Abgaben machen rund 30 % der Stromrechnung aus und enthalten die Elektrizitätsabgabe, die Umsatzsteuer und je nach Gemeinde oder Bundesland weitere Abgaben. Diese Positionen sind gesetzlich festgelegt. Kein Anbieter kann sie senken, kein Vergleichsportal kann sie wegverhandeln. Sinken können sie nur, wenn Sie weniger Strom verbrauchen oder der Gesetzgeber die Sätze ändert.
Welche Position ein Anbieterwechsel senkt — und welche nicht
| Position | Einheit | Wer legt sie fest | Durch Wechsel beeinflussbar |
|---|---|---|---|
| Energiepreis – Arbeitspreis | ct/kWh | Lieferant | Ja |
| Energiepreis – Grundpreis | € pro Jahr | Lieferant | Ja |
| Netznutzungsentgelt – Grundpreis | € pro Jahr | E-Control (verordnet) | Nein |
| Netznutzungsentgelt – Arbeitspreis | ct/kWh | E-Control (verordnet) | Nein |
| Netzverlustentgelt | ct/kWh | E-Control (verordnet) | Nein |
| Entgelt für Messleistungen | € pro Monat | E-Control (verordnet) | Nein |
| Steuern und Abgaben | ct/kWh bzw. Prozentsatz | Gesetzgeber | Nein |
In Zahlen: Ein Anbieterwechsel senkt in Österreich den Energiepreis typischerweise um 5–15 ct/kWh. Bei 3.500 kWh Jahresverbrauch sind das 175–525 Euro pro Jahr. Ein Marktbeispiel aus Österreich: 32 ct/kWh beim Landesversorger gegenüber 13,30 ct/kWh bei einer Alternative — für diesen Haushalt knapp 950 Euro Ersparnis pro Jahr. Wie viel bei Ihnen herauskommt, hängt an Ihrem Verbrauch und Ihrem heutigen Preis; die Größenordnung rechnen Sie im Ersparnisrechner in etwa einer Minute aus.
Wenn Sie wissen wollen, wie sich der österreichische Durchschnittspreis von rund 29 ct/kWh brutto im Detail aufteilt und wie sich der Preis pro Kilowattstunde entwickelt hat, steht das in Was kostet eine kWh Strom in Österreich?.
Was auf der Rechnung steht, das Sie für einen Wechsel brauchen
Ihre letzte Jahresabrechnung enthält alle Daten, die für einen Anbieterwechsel nötig sind:
- Name, Adresse und Geburtsdatum
- Zählpunktnummer — 33-stellig, beginnt mit AT. Sie identifiziert Ihre Abnahmestelle eindeutig; wie Sie sie finden, steht in Zählpunktnummer finden.
- Zählernummer und aktueller Zählerstand
- IBAN, Telefonnummer und E-Mail-Adresse
- Jahresverbrauch in kWh sowie Arbeitspreis und Grundpreis Ihres aktuellen Tarifs
Falls die Rechnung nicht greifbar ist: Dieselben Angaben stehen im Online-Portal Ihres Anbieters. Den Ablauf und die Fristen beschreibt Stromanbieter wechseln in Österreich — kurz gefasst: Seit März 2022 gilt bei unbefristeten Verträgen einheitlich eine Kündigungsfrist von zwei Wochen, der Wechsel dauert in der Regel rund drei Wochen, der neue Anbieter übernimmt die Kündigung, und der Wechsel ist per Gesetz kostenlos.
Wann sich das Rechnungslesen nicht in einer Ersparnis niederschlägt
Nicht jede hohe Rechnung ist die Folge eines schlechten Tarifs. Drei Fälle, in denen ein Wechsel wenig oder nichts bringt:
- Ihr Energiepreis liegt bereits im unteren Bereich. Wer schon bei einem Gesamtpreis um 19–27 ct/kWh liegt, hat den Hebel weitgehend ausgereizt. Der Rest der Rechnung besteht aus Netzentgelt und Steuern und ist nicht verhandelbar.
- Die Rechnung ist hoch, weil der Verbrauch hoch ist. Wer deutlich über dem E-Control-Referenzverbrauch von 3.500 kWh pro Jahr liegt, kommt auch bei einem durchschnittlichen Gesamtpreis von rund 29 ct/kWh brutto auf eine hohe Summe, ohne dass der Tarif schlecht wäre. Hier wirkt eher der Verbrauch als der Anbieter.
- Sie sind in einer laufenden Bindung mit Pönale. Dann ist die relevante Frage nicht, ob ein anderer Tarif billiger ist, sondern ab wann er es unterm Strich ist.
Beim Gas ist der Spielraum aus einem anderen Grund oft größer: Der Referenzverbrauch eines gasbeheizten Haushalts liegt bei 15.000 kWh pro Jahr, der Gesamtpreis brutto im Schnitt bei 8–10 ct/kWh — daraus ergeben sich Jahreskosten von 1.770–3.300 Euro, im Mittel rund 2.200 Euro. Weil der Verbrauch beim Gas ein Vielfaches des Stromverbrauchs beträgt, schlägt dort schon ein kleiner Preisunterschied deutlich durch.
Wenn Sie Ihre Rechnung durchgegangen sind und nicht sicher sind, welche Position bei Ihnen aus dem Rahmen fällt: Schicken Sie mir die Jahresabrechnung. Sie bekommen eine Einschätzung auch dann, wenn am Ende kein Wechsel steht.
Häufige Fragen dazu
Warum zahlt mein Nachbar im selben Haus einen anderen Preis pro kWh?
Netzentgelt sowie Steuern und Abgaben sind innerhalb eines Netzgebiets für alle Haushalte gleich. Der Unterschied entsteht beim Energiepreis, der je nach Anbieter und Tarif um bis zu 60 % auseinanderliegt.
Ändert sich mein Netzentgelt, wenn ich den Anbieter wechsle?
Nein. Die Netzentgelte werden von der Regulierungskommission der E-Control je Netzgebiet verordnet und hängen nicht davon ab, bei wem Sie Ihren Strom kaufen. Nach einem Wechsel bleiben sie unverändert.
Was ist der Unterschied zwischen Teilbetrag und Jahresabrechnung?
Der Teilbetrag ist eine Akontozahlung auf Basis Ihres geschätzten Jahresverbrauchs. Erst die Jahresabrechnung rechnet den tatsächlichen Verbrauch gegen die geleisteten Teilbeträge ab und zeigt alle Preisbestandteile im Detail.
Wie hoch ist der Referenzverbrauch, mit dem in Österreich gerechnet wird?
Die E-Control rechnet beim Strom mit 3.500 kWh pro Jahr für einen durchschnittlichen Haushalt und beim Gas mit 15.000 kWh pro Jahr für einen gasbeheizten Haushalt. Diese Werte dienen als Vergleichsbasis, nicht als Vorgabe.
Quellen
Alle Zahlen in diesem Artikel stammen aus öffentlich zugänglichen Preisübersichten und Angaben der E-Control. Stand: 14. September 2026.