Grundversorgung Strom: Warum sie fast immer die teuerste Variante ist
Kurz gesagt
Die Grundversorgung ist der Auffangtarif für alle, die nie aktiv einen Stromvertrag gewählt haben; sie kostet in Österreich 30 bis 42 ct/kWh gegenüber 19 bis 27 ct/kWh bei einem guten Wechseltarif und ist als Dauerlösung deshalb die teuerste Variante.
Was die Grundversorgung ist und was sie kostet
Die Grundversorgung ist der Auffangtarif des örtlichen Versorgers: Wer nie aktiv einen Stromvertrag ausgesucht hat, wird automatisch darüber beliefert. In Österreich liegt die Grundversorgung bei 30 bis 42 ct/kWh Gesamtpreis, ein guter Wechseltarif bei 19 bis 27 ct/kWh — für denselben Strom aus derselben Leitung. Als kurzfristiges Auffangnetz erfüllt sie einen wichtigen Zweck, denn sie verhindert, dass jemand ohne Strom dasteht. Als Dauerzustand über Jahre ist sie fast immer die teuerste Variante, die ein Haushalt wählen kann — und meistens wurde sie gar nicht bewusst gewählt.
| Tarifform | Gesamtpreis Strom (brutto) |
|---|---|
| Grundversorgung | 30–42 ct/kWh |
| Österreichischer Haushalt im Schnitt | rund 29 ct/kWh |
| Guter Wechseltarif | 19–27 ct/kWh |
Selbst am unteren Rand liegt die Grundversorgung mit 30 ct/kWh über dem Durchschnitt von rund 29 ct/kWh, den österreichische Haushalte 2026 für Strom zahlen. Am oberen Rand mit 42 ct/kWh ist sie mehr als doppelt so teuer wie ein Wechseltarif zu 19 ct/kWh.
Wie man ungewollt in der Grundversorgung landet
Die Grundversorgung ist kein Tarif, den man aussucht — man rutscht hinein. Diese vier Wege sind die häufigsten:
- Nie aktiv einen Tarif gewählt. Wer nach dem Einzug nie einen Vertrag ausgesucht hat, wird seit dem ersten Tag zu den allgemeinen Preisen des örtlichen Versorgers beliefert.
- Eigenkündigung ohne Anschlussvertrag. Wer zuerst selbst kündigt und erst danach zu vergleichen beginnt, hat für die Zwischenzeit keinen Lieferanten. Diese Lücke füllt die Grundversorgung — zu 30–42 ct/kWh statt 19–27 ct/kWh.
- Umzug. In der neuen Wohnung fließt ab dem ersten Tag Strom. Ist bis dahin kein Vertrag angemeldet, läuft die Belieferung über die Grundversorgung, bis ein Vertrag zustande kommt.
- Der bisherige Lieferant beliefert nicht mehr. Stellt ein Anbieter die Belieferung ein, bleibt niemand ohne Strom. Das Lieferverhältnis geht auf die Grundversorgung über.
Der teuerste dieser vier Punkte ist die Reihenfolge beim Wechsel. Beim geordneten Anbieterwechsel übernimmt der neue Anbieter die Kündigung beim alten mit — wer selbst zuerst kündigt, produziert genau die Lücke, die in der Grundversorgung endet. Wie der Ablauf sauber funktioniert, steht im Detail unter Stromanbieter wechseln in Österreich.
Was die Grundversorgung pro Jahr kostet
Die E-Control rechnet für einen österreichischen Haushalt mit einem Referenzverbrauch von 3.500 kWh Strom pro Jahr. Ein Anbieterwechsel senkt den Energiepreis in der Regel um 5 bis 15 ct/kWh. Bei 3.500 kWh Jahresverbrauch entspricht das 175 bis 525 Euro pro Jahr, die ohne Wechsel liegen bleiben.
Der Grund für diese Spanne: Der reine Energiepreis variiert zwischen österreichischen Anbietern um bis zu 60 Prozent. Die Grundversorgung liegt mit 30 bis 42 ct/kWh Gesamtpreis am oberen Ende, ein guter Wechseltarif mit 19 bis 27 ct/kWh am unteren.
Wie viel es in Ihrem Fall ist, hängt an Ihrem Verbrauch und Ihrem aktuellen Preis pro kWh. Beide Zahlen stehen auf der letzten Jahresabrechnung, und der Ersparnisrechner macht daraus in rund 30 Sekunden eine Größenordnung.
Woran Sie erkennen, dass Sie in der Grundversorgung sind
Auf der Stromrechnung steht es selten so deutlich, wie man es erwarten würde. Diese vier Prüfschritte reichen:
- Tarifbezeichnung auf der Jahresabrechnung lesen. Begriffe wie “Grundversorgung”, “allgemeine Preise” oder “allgemeine Tarife” sind das Kennzeichen. Ein Produktname mit Zusätzen wie “Fix” oder “Float” deutet dagegen auf einen aktiv abgeschlossenen Tarif hin.
- Erinnern, ob je ein Tarif ausgewählt wurde. Wer sich an keinen Vertragsabschluss und keinen Wechsel erinnert, war mit hoher Wahrscheinlichkeit nie woanders als in der Grundversorgung.
- Den eigenen Preis pro kWh ausrechnen. Jahresbetrag durch verbrauchte kWh ergibt den Gesamtpreis pro kWh. Liegt er über 30 ct/kWh, ist das ein starkes Indiz. Wie sich dieser Wert zusammensetzt, steht unter Was kostet eine kWh Strom in Österreich.
- Gegenprüfen. Der Tarifkalkulator der E-Control zeigt für das eigene Netzgebiet, was gerade erreichbar ist.
Welcher Teil der Rechnung sich überhaupt ändern lässt
Eine österreichische Stromrechnung besteht aus drei Blöcken: Energiepreis rund 40 Prozent, Netzentgelt rund 30 Prozent, Steuern und Abgaben rund 30 Prozent. Nur der Energiepreis — die erwähnten 40 Prozent — ist durch einen Anbieterwechsel beeinflussbar. Die restlichen 60 Prozent bleiben gleich, egal bei wem der Strom gekauft wird.
Das Netzentgelt setzt sich aus mehreren Positionen zusammen:
- Netznutzungsentgelt — ein fixer Grundpreis in Euro pro Jahr plus ein verbrauchsabhängiger Arbeitspreis in ct/kWh
- Netzverlustentgelt — in ct/kWh
- Entgelt für Messleistungen — in Euro pro Monat
Diese Netzentgelte werden von der Regulierungskommission der E-Control verordnet; sie sind nicht verhandelbar und je nach Netzgebiet unterschiedlich hoch. Wer in der Grundversorgung spart, spart also ausschließlich beim Energiepreis — das genügt aber für 175 bis 525 Euro pro Jahr bei 3.500 kWh Jahresverbrauch.
Wie Sie aus der Grundversorgung herauskommen
Seit März 2022 gilt in Österreich für unbefristete Energieverträge einheitlich eine Kündigungsfrist von zwei Wochen. Gekündigt werden kann jederzeit, ein Anlass ist nicht nötig. Der Ablauf in der Praxis:
- Neuen Tarif auswählen, bevor irgendetwas gekündigt wird.
- Beim neuen Anbieter anmelden. Der übernimmt die gesamte Abwicklung inklusive der Kündigung des bestehenden Lieferverhältnisses.
- Warten. Der Wechsel dauert in der Regel rund drei Wochen.
Der Wechsel ist per Gesetz kostenlos, es gibt weder Bearbeitungs- noch Wechselgebühr. Netzbetreiber, Leitung und Zähler bleiben unverändert — eine Versorgungsunterbrechung ist technisch ausgeschlossen.
Diese Daten werden dafür gebraucht, und sie stehen alle auf der letzten Jahresabrechnung oder im Online-Portal des Versorgers:
- Name, Adresse, Geburtsdatum
- Zählpunktnummer (33-stellig, beginnt mit AT)
- Zählernummer und aktueller Zählerstand
- IBAN, Telefonnummer, E-Mail
Wann ein Wechsel wenig bringt
Die Grundversorgung ist nicht in jedem Fall ein Problem, das sofort gelöst werden muss:
- Als Übergang von wenigen Wochen, etwa zwischen Umzug und neuem Vertrag, fällt der Unterschied kaum ins Gewicht. Teuer wird sie erst über Monate und Jahre.
- Bei sehr geringem Verbrauch bleibt auch ein hoher Preis pro kWh in absoluten Zahlen überschaubar. Die Ersparnis von 175 bis 525 Euro pro Jahr gilt für 3.500 kWh Jahresverbrauch — wer deutlich weniger verbraucht, spart entsprechend weniger.
- Wer bereits zwischen 19 und 27 ct/kWh zahlt, sitzt nicht in der Grundversorgung und holt mit einem weiteren Wechsel meist wenig heraus. Ein Blick auf auslaufende Rabatte lohnt trotzdem.
In allen anderen Fällen ist die Rechnung simpel: Der Strom ist identisch, das Netz ist identisch, die Steuern sind identisch. Unterschiedlich ist nur der Energiepreis — und genau der ist in der Grundversorgung am höchsten.
Wenn Sie nicht sicher sind, in welchem Tarif Sie stecken, genügt ein Foto Ihrer letzten Jahresabrechnung. Ich sehe mir an, was Sie tatsächlich pro kWh zahlen, und sage Ihnen auch dann Bescheid, wenn sich ein Wechsel für Sie nicht rechnet — Kontakt.
Häufige Fragen dazu
Gilt die Grundversorgung auch für Gas?
Auch beim Gas gibt es einen Auffangtarif für Haushalte ohne aktiv gewählten Vertrag, und das Muster ist dasselbe: Wer nichts tut, zahlt mehr. Beim Gas liegt der Neukunden-Energiepreis in Österreich bei 4,5–5,5 ct/kWh, während Bestandskunden aus Altverträgen häufig noch 11–19 ct/kWh zahlen.
Darf ich in der Grundversorgung bleiben, wenn ich das möchte?
Ja. Die Grundversorgung ist ein gültiges Lieferverhältnis, niemand wird zum Wechsel gedrängt. Es ist nur die teuerste Art, Strom zu beziehen: 30–42 ct/kWh statt 19–27 ct/kWh bei einem guten Wechseltarif.
Muss beim Wechsel aus der Grundversorgung der Zähler getauscht werden?
Nein. Netzbetreiber, Leitung und Zähler bleiben bei einem Anbieterwechsel unverändert — es ändert sich nur, von wem Sie die Energie kaufen. Eine Versorgungsunterbrechung ist technisch ausgeschlossen.
Was kostet es, aus der Grundversorgung in einen normalen Tarif zu wechseln?
Nichts. Der Anbieterwechsel ist in Österreich per Gesetz kostenlos, es fallen weder Bearbeitungs- noch Wechselgebühren an. Die Abwicklung inklusive Kündigung übernimmt der neue Anbieter.
Quellen
Alle Zahlen in diesem Artikel stammen aus öffentlich zugänglichen Preisübersichten und Angaben der E-Control. Stand: 14. September 2026.