Kragl Energie
Gas

Gaspreis Österreich: Warum Bestandskunden bis zu dreimal so viel zahlen

6 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Beim Gas liegt der Energiepreis für Neukunden in Österreich 2026 bei 4,5–5,5 ct/kWh, während Bestandskunden aus Altverträgen von 2022 noch 11–19 ct/kWh zahlen. Bei 15.000 kWh Jahresverbrauch sind das rund 300–600 € Unterschied pro Jahr.

Die kurze Antwort: rund 5 ct gegen rund 15 ct pro kWh

Wer 2026 in Österreich einen neuen Gasvertrag abschließt, bekommt den Energiepreis für 4,5–5,5 ct/kWh. Wer seinen Vertrag seit 2022 unverändert laufen lässt, zahlt für dieselbe Kilowattstunde aus derselben Leitung häufig 11–19 ct/kWh. In der Mitte der beiden Spannen stehen rund 5 ct/kWh gegen rund 15 ct/kWh — das Dreifache. Bei 15.000 kWh Jahresverbrauch, dem E-Control-Referenzwert für einen gasbeheizten Haushalt, ergibt das allein beim Energieanteil einen Unterschied von 825 € bis 2.175 € pro Jahr. Die real erreichte Ersparnis liegt darunter: Haushalte, die seit 2022 nicht gewechselt haben, sparen typischerweise 300–600 € pro Jahr. Wer erst 2024 oder später abgeschlossen hat, hat meist wenig Spielraum.

Was 4,5 und 19 ct/kWh bei 15.000 kWh im Jahr bedeuten

Die folgende Rechnung betrifft nur den Energiepreis — also den Teil der Gasrechnung, den ein Anbieterwechsel verändert. Netzentgelt, Steuern und Abgaben bleiben davon unberührt und kommen in allen vier Zeilen zusätzlich dazu.

VertragssituationEnergiepreisEnergieanteil bei 15.000 kWh/Jahr
Neukundentarif 2026, unteres Ende4,5 ct/kWh675 € pro Jahr
Neukundentarif 2026, oberes Ende5,5 ct/kWh825 € pro Jahr
Altvertrag, unteres Ende11 ct/kWh1.650 € pro Jahr
Altvertrag, oberes Ende19 ct/kWh2.850 € pro Jahr

Zwischen dem günstigsten Neukundentarif und dem teuersten Altvertrag liegen bei 15.000 kWh Jahresverbrauch damit 2.175 € pro Jahr, zwischen dem teuersten Neukundentarif und dem günstigsten Altvertrag immer noch 825 € pro Jahr bei demselben Verbrauch. Das ist die maximale rechnerische Spanne, nicht die Zahl, die ein durchschnittlicher Haushalt herausholt.

Wie groß der Abstand im eigenen Fall ist, lässt sich mit dem Ersparnisrechner in wenigen Sekunden überschlagen — dafür genügen Jahresverbrauch und Gesamtpreis von der letzten Abrechnung.

Warum die Lücke zwischen Neu- und Bestandskunden entstanden ist

Die Gaspreise in Europa erreichten 2022 eine Preisspitze. Verträge, die in dieser Phase abgeschlossen oder angepasst wurden, sind auf genau dieses Niveau kalkuliert — und bleiben dort, solange sie niemand anfasst. Neuverträge werden dagegen auf dem heutigen Marktniveau kalkuliert, das deutlich tiefer liegt.

Daraus entsteht die Situation, die viele Haushalte in Österreich 2026 auf ihrer Abrechnung sehen: zwei Verträge für dasselbe Produkt, aus derselben Leitung, mit demselben Netzbetreiber — und einem Preisunterschied um den Faktor drei: 4,5–5,5 ct/kWh Energiepreis im Neuvertrag gegen 11–19 ct/kWh im Altvertrag. Ein Altvertrag wird nicht automatisch auf das aktuelle Marktniveau nachgezogen. Der Schritt muss aktiv gesetzt werden.

Dasselbe Muster gilt beim Strom, dort allerdings weniger ausgeprägt. Wie sich der Strompreis pro Kilowattstunde in Österreich zusammensetzt, steht in Was kostet eine kWh Strom in Österreich?.

Wie viel Ersparnis beim Gas realistisch ist

Haushalte, die ihren Gasvertrag seit 2022 nicht gewechselt haben, können in Österreich typischerweise 300–600 € pro Jahr sparen.

Diese 300–600 € pro Jahr liegen unter dem maximalen rechnerischen Abstand der beiden Preisbänder, weil dieser Abstand die Extremwerte gegeneinanderstellt: Die wenigsten Altverträge liegen bei 19 ct/kWh, und nicht jeder neue Vertrag beginnt bei 4,5 ct/kWh. Wie groß der Abstand im Einzelfall ausfällt, hängt vom konkreten Altvertrag und vom Jahresverbrauch ab.

Die Jahreskosten eines gasbeheizten Haushalts mit 15.000 kWh liegen je nach Vertrag, Netzgebiet und Grundpreisen zwischen 1.770 € und 3.300 €, im Mittel bei rund 2.200 €. Wer noch in einem Altvertrag steckt, findet sich eher am oberen Ende dieser Spanne wieder. Grundpreise und Entgelte für Messleistungen fallen unabhängig vom Verbrauch an und ziehen den rechnerischen Preis pro Kilowattstunde nach oben.

Nur rund 40 Prozent der Gasrechnung sind überhaupt beeinflussbar

Eine österreichische Gasrechnung besteht aus drei Blöcken:

  • Energiepreis: rund 40 % — der Teil, der beim Anbieterwechsel verhandelbar ist
  • Netzentgelt: rund 30 % — von der Regulierungskommission der E-Control verordnet, je nach Netzgebiet unterschiedlich, nicht verhandelbar
  • Steuern und Abgaben: rund 30 % — gesetzlich festgelegt

Das Netzentgelt setzt sich aus mehreren Positionen zusammen: dem Netznutzungsentgelt (ein fixer Grundpreis in Euro pro Jahr plus ein verbrauchsabhängiger Arbeitspreis in ct/kWh), dem Netzverlustentgelt in ct/kWh und dem Entgelt für Messleistungen in Euro pro Monat. Diese Positionen ändern sich beim Anbieterwechsel nicht, weil der Netzbetreiber derselbe bleibt.

Praktisch heißt das: Ein Wechsel wirkt nur auf rund 40 % der Rechnung. Bei einem Altvertrag mit 15 ct/kWh Energiepreis ist dieser Hebel groß genug, um pro Jahr einen dreistelligen Betrag zu sparen. Bei einem 2025 abgeschlossenen Vertrag ist er es oft nicht.

Wann sich ein Gaswechsel nicht lohnt

Es gibt Konstellationen, in denen ein Wechsel wenig bringt. Dazu gehören:

  • Abschluss 2024 oder später. Wer den Gasvertrag nach der Preisspitze abgeschlossen hat, liegt beim Energiepreis oft schon nahe am aktuellen Marktniveau. Der verbleibende Abstand rechtfertigt den Aufwand nicht immer.
  • Laufende Bindungsfrist mit Pönale. Endet die Bindung in wenigen Monaten, kann es günstiger sein, das Vertragsende abzuwarten und den Wechsel darauf zu terminieren.
  • Sehr geringer Verbrauch. Bei einem Gasanschluss, der nur zum Kochen genutzt wird, fällt ein Unterschied von einigen Cent pro Kilowattstunde in absoluten Euro kaum ins Gewicht, während Grundpreise den größeren Teil der Rechnung ausmachen.

In diesen Fällen ist die ehrliche Auskunft: abwarten, den Termin vormerken und die Preisentwicklung beobachten. Eine Prüfung kostet trotzdem nichts — sie liefert zumindest die Gewissheit, dass der bestehende Vertrag in Ordnung ist. Wer das überprüfen lassen möchte, kann die letzte Jahresabrechnung hier zur Prüfung schicken.

So läuft der Anbieterwechsel beim Gas ab

Seit März 2022 gilt in Österreich bei unbefristeten Energieverträgen einheitlich eine Kündigungsfrist von zwei Wochen. Der Vertrag ist jederzeit kündbar, ein besonderer Anlass ist nicht nötig. Der Wechsel selbst dauert in der Regel rund drei Wochen.

Die Abwicklung übernimmt der neue Anbieter vollständig, einschließlich der Kündigung beim bisherigen Anbieter. Der Wechsel ist per Gesetz kostenlos: Weder Bearbeitungs- noch Wechselgebühren fallen an. Netzbetreiber, Leitung und Zähler bleiben unverändert, eine Versorgungsunterbrechung ist technisch ausgeschlossen.

Entscheidend ist die Reihenfolge. Wer zuerst selbst kündigt und erst danach einen neuen Tarif sucht, riskiert eine Lücke und landet in der teureren Grundversorgung. Richtig ist der umgekehrte Weg: erst den neuen Vertrag abschließen, die Kündigung läuft dann über den neuen Anbieter mit. Der vollständige Ablauf mit allen Fristen steht in Stromanbieter wechseln in Österreich — für Gas gilt er identisch.

Diese Daten werden für den Wechsel gebraucht

Alle nötigen Angaben stehen auf der letzten Jahresabrechnung oder im Online-Portal des Anbieters:

  • Name, Adresse und Geburtsdatum
  • Zählpunktnummer — 33-stellig, beginnt mit AT
  • Zählernummer und aktueller Zählerstand
  • IBAN
  • Telefonnummer und E-Mail-Adresse

Mehr braucht es nicht. Wer den Marktüberblick lieber selbst verschafft, findet im E-Control Tarifkalkulator den offiziellen, anbieterunabhängigen Vergleich für Gas- und Stromtarife in Österreich.

Häufige Fragen dazu

Ändert sich beim Gasanbieterwechsel etwas an Therme, Leitung oder Zähler?

Nein. Ein Anbieterwechsel betrifft ausschließlich, von wem das Gas gekauft wird. Netzbetreiber, Leitung und Zähler bleiben unverändert, eine Versorgungsunterbrechung ist technisch ausgeschlossen.

Was kostet der Wechsel des Gasanbieters in Österreich?

Nichts. Der Anbieterwechsel ist per Gesetz kostenlos, es fällt weder eine Bearbeitungs- noch eine Wechselgebühr an. Der neue Anbieter übernimmt die gesamte Abwicklung inklusive Kündigung beim alten Anbieter.

Wo finde ich meine Zählpunktnummer für Gas?

Die Zählpunktnummer steht auf der letzten Jahresabrechnung und im Online-Portal des Anbieters. Sie ist 33-stellig und beginnt mit AT.

Wie viel Gas verbraucht ein durchschnittlicher Haushalt in Österreich?

Die E-Control rechnet für einen gasbeheizten Haushalt mit einem Referenzverbrauch von 15.000 kWh pro Jahr. Der tatsächliche Verbrauch steht auf der letzten Jahresabrechnung.

Quellen

Alle Zahlen in diesem Artikel stammen aus öffentlich zugänglichen Preisübersichten und Angaben der E-Control. Stand: 14. September 2026.

Weiterlesen